„Und wo bleibe ich?“ – Selbstfürsorge, die im Alltag wirklich funktioniert

von | 26.07.2026

„Und wo bleibe ich?“ – Selbstfürsorge, die im Alltag wirklich funktioniert

Kaum ein Begriff ist so gründlich missverstanden worden wie Selbstfürsorge. Instagram hat daraus eine Ästhetik gemacht: Schaumbad, Gesichtsmaske, Yoga bei Sonnenaufgang. Und Millionen Mütter schauen auf diese Bilder und denken: „Dafür habe ich weder Zeit noch Kraft – ich versage also auch noch bei der Entspannung.“

Lass uns das geraderücken. Selbstfürsorge ist kein Wellness-Programm, das du zusätzlich zu allem anderen absolvieren musst. Selbstfürsorge ist die Grundhaltung, dich selbst auf deiner eigenen Prioritätenliste überhaupt wieder auftauchen zu lassen. Sie findet nicht in der Badewanne statt, sondern in hundert kleinen Entscheidungen deines Alltags: was du sagst, was du nicht mehr tust, was du dir erlaubst. Und die wichtigsten dieser Entscheidungen kosten keine Zeit – sondern Mut.

Warum „Und wo bleibe ich?“ die richtige Frage ist

Viele Mütter kennen diesen Moment: Du organisierst das Leben aller um dich herum – und irgendwann, meist abends, meldet sich leise die Frage: „Und wo bleibe eigentlich ich?“ Oft folgt direkt das schlechte Gewissen: Sei doch dankbar. Anderen geht es schlechter. Die Kinder sind doch das Wichtigste.

Aber diese Frage ist kein Egoismus – sie ist ein Frühwarnsystem. Sie meldet sich, wenn das Verhältnis zwischen Geben und Auftanken zu lange gekippt ist. Und sie zu überhören hat einen Preis, den am Ende alle zahlen: Eine dauerhaft erschöpfte Mutter kann nicht geduldig, nicht präsent, nicht liebevoll sein – so sehr sie sich anstrengt. Für dich selbst zu sorgen ist deshalb kein Luxus neben der Familienarbeit. Es ist ihre Voraussetzung. Falls du gerade unsicher bist, wie erschöpft du wirklich bist, lies vorher meinen Artikel über die → 7 Anzeichen echter Erschöpfung.

Die drei Ebenen echter Selbstfürsorge

Damit Selbstfürsorge im echten Leben funktioniert, hilft es, sie in drei Ebenen zu denken – von innen nach außen.

Ebene 1: Wie du mit dir sprichst. Die grundlegendste Form der Selbstfürsorge ist dein innerer Ton. Viele Frauen reden mit sich selbst in einer Härte, die sie bei keiner Freundin dulden würden: „Stell dich nicht so an.“ „Das bisschen musst du doch schaffen.“ „Andere kriegen das auch hin.“ Der erste Schritt ist, diesen Ton überhaupt zu bemerken – der zweite, ihn zu ändern. Eine einfache Übung: Wenn du dich innerlich fertigmachst, frag dich: Was würde ich meiner besten Freundin jetzt sagen? Und dann sag genau das zu dir. Das klingt banal und ist doch die Übung, die langfristig am meisten verändert.

Ebene 2: Was du nicht mehr tust. Echte Selbstfürsorge im vollen Alltag entsteht selten durch mehr (mehr Sport, mehr Meditation, mehr Routinen) – sondern durch weniger. Weniger Perfektion: Das Mitbringsel für die Kita darf gekauft statt gebastelt sein, das Abendessen darf einfach sein, die Wohnung darf nach Familie aussehen. Weniger ungefragte Zuständigkeit: Nicht jedes Problem, das im Raum steht, ist automatisch deins. Und weniger Ja: Jedes Ja zu anderen ist ein Nein zu etwas – oft zu dir. „Nein“ ist ein vollständiger Satz. Du darfst ihn freundlich sagen, aber du musst ihn nicht begründen wie vor Gericht.

Ebene 3: Was du dir aktiv nimmst. Erst auf dieser dritten Ebene kommen die Pausen und schönen Dinge – und auch hier gilt: realistisch statt Instagram. Drei Prinzipien machen den Unterschied. Erstens: klein und regelmäßig schlägt groß und selten. Zehn Minuten täglich, die wirklich dir gehören – ein Kaffee ohne Handy, eine Runde um den Block, Musik mit Kopfhörern – wirken mehr als der eine Wellnesstag im Halbjahr, von dem du dich zurück in denselben Alltag stürzt. Zweitens: Termine mit dir selbst sind Termine. Trag sie in den Kalender ein und behandle sie so verbindlich wie den Zahnarzttermin deines Kindes. „Wenn Zeit übrig ist“ ist keine Strategie – es ist nie Zeit übrig. Drittens: Auftanken ist individuell. Die eine lädt beim Sport auf, die andere beim Alleinsein, die dritte beim Abend mit Freundinnen. Es zählt nicht, was als Selbstfürsorge gilt, sondern was dich spürbar füllt. Wenn du das nicht mehr weißt – auch das ist übrigens ein Zeichen, wie lange du dich hintangestellt hast.

Das Umfeld verhandelt mit

Und hier kommt der Teil, der in den meisten Selbstfürsorge-Artikeln fehlt: Deine Pausen finden nicht im luftleeren Raum statt. Wenn du dir Freitagabend zwei Stunden nimmst, muss in dieser Zeit jemand anderes zuständig sein – wirklich zuständig, nicht „babysitten und bei Fragen anrufen“. Selbstfürsorge ist deshalb immer auch eine Verhandlung mit deinem Umfeld: über Zuständigkeiten, über Erwartungen, über die Frage, warum deine Zeit selbstverständlich verplant wird und seine nicht.

Wenn du beim Gedanken an diese Gespräche innerlich zusammenzuckst, bist du beim eigentlichen Thema angekommen. Denn hinter „Ich komme einfach nicht dazu, für mich zu sorgen“ steckt fast immer mehr als Zeitmangel: alte Glaubenssätze („Eine gute Mutter stellt sich hinten an“), Angst vor Konflikten, ein ungleich verteilter → Mental Load. Diese Muster lösen sich nicht durch noch einen Achtsamkeits-Tipp – sondern indem man sie anschaut und verändert.

Wenn du damit nicht allein bleiben willst

Genau dafür gibt es zwei Wege bei mir. Im → 1:1 Coaching arbeiten wir an deinen individuellen Mustern: Warum fällt dir das Nein so schwer? Welche Ansprüche treiben dich an – und wem gehören sie eigentlich? Wie baust du dir einen Alltag, in dem du wieder vorkommst? Und im → Women & Moms Circle erlebst du Selbstfürsorge in ihrer vielleicht schönsten Form: einen Tag unter Frauen, die deine Themen kennen – mit ehrlichem Austausch statt Fassade. Viele Teilnehmerinnen sagen hinterher, allein zu erleben, dass es den anderen genauso geht, sei die größte Entlastung gewesen.

Du musst nicht warten, bis „mal wieder mehr Zeit ist“. Fang mit zehn Minuten an. Mit einem Nein. Oder mit einem → Erstgespräch – 45 Minuten, in denen die Frage „Und wo bleibe ich?“ ausnahmsweise die einzige auf der Tagesordnung ist.

Wie immer gilt: Wenn ihr Themen habt, die euch unter den Nägeln brennen, worüber ich schreiben soll, Impulse, Feedback etc. schreibt mir gerne an: bianka@womenandmoms.de. Ich freue mich auf eure Gedanken und euer Feedback!

Take Care und liebe Grüße,
Bianka

Women & Moms I Blog I Bianka Vetten

Bianka Vetten

Dein Coach & Partner

Wirtschaftspädagogin, zertifizierter Business- und Karrierecoach, Trainerin, Reiss Motivation Profile Masterin, Personal-, Organisations- und Teamentwicklerin

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